check out: Noch mehr Fotos
und die Topo online
Am letzten Abend im Basecamp werden die
verbliebenen Reste an „Höhenmedizin“ in
flüssiger Form verbraucht.
Wer findet den
fehler auf diesem Bild?
richtig, Blumen auf über
4000 meter, wo gibt’s
denn so was?
Das südafrikanische Team hatte aber die letzten acht Tage bei Wind und Wetter damit verbracht, die Route „Eternal Flame“ komplett bis 6 Seil-
längen unter den Gipfel mit Fixseilen zu (ver)sichern, um am Gipfeltag an den bereits installierten Seilen aufsteigen zu können. Sie starten um
3.30 Uhr und erreichen das Ende der Fixseile um 8.00 Uhr und schließlich den Gipfel um 19.00 Uhr.
Hannes und ich wollen nicht am selben Tag mit der Dreier-Partie einsteigen und so machen wir einen Tag später unseren Versuch. Wir
starten um 6.30 Uhr und erreichen um 18.00 Uhr den Gipfel des 6250 m hohen und wohl schönsten Berg, den wir bisher gemacht haben. Die
Berge leuchten so intensiv wie noch nie und es ist ein unglaublich schöner Moment, einfach nur da zu sein. Wir wollen noch ein Gipfelfoto
machen und anschließend mit dem Abseilen beginnen, als uns die Realität wieder aus unserer Euphorie reißt. Akkukapazität erschöpft, sag
ich nur, aber lieber einen Gipfel und kein Foto als umgekehrt. Die Route „Eternal Flame“ ist ein wahrer Klettertraum aus goldenem Granit
und Rissen in allen Größen, die uns ordentlich gefordert haben. Respekt an Wolfgang Güllich, Kurt Albert und Co., die die Route 1989 erst-
begangen haben – zu dieser Zeit haben wir noch ans Christkind geglaubt – und auch an die Huberbuam, die 2009 den Rotpunkt geschafft haben.
Am selben Tag sind auch Jakob und Flo erfolgreich, nach drei Tagen Nonstop-Klettern stehen sie am Gipfel des Trango Ri, ihnen gelingt
somit die erste Überschreitung über die kombinierte, unbestiegene Linie „Ciabatti is enough”.
Als wir uns alle im Basislager wieder treffen, gibt’s erneut schlechte News. Die „Straße“ (wenn man sie kennt, muss man das Wort
Straße in Anführungsstrichen angeben) sei aufgrund von Erdrutschen vier Mal unterbrochen und der gesamte Karakorum „Hellway“ soll
wegen politischer Unruhen bis auf Weiteres gesperrt sein. Einzige Option ist der Inlandflug von Skardu nach Islamabad, der locker-
lässige 40 Minuten dauert, aber nur fliegt, wenn keine Wolke am Himmel ist.
Endlich in Skardu angekommen – nach einer harten Reise mit dem Jeep, der beinahe den Geist aufgegeben hätte und einem Erdrutsch, bei
dem wir beinahe unseren Geist aufgegeben hätten – freuen wir uns auf alle fundamentalen Annehmlichkeiten der Zivilisation, besonders auf
Bett, Dusche und Essen. Aber mit dem Essen ist’s manchmal so eine Sache, denn nicht alles was reinwandert bleibt drinnen. Und so haben wir
uns gleich alle beim ersten Abendessen derart den Magen verstimmt, dass die meisten von uns sich sogar einige Wochen später zu Hause noch,
mit Grüßen aus Pakistan, bei ihrer Notdurft daran erinnern.
Irgendwie haben wir es dann auch noch in den von Leuten überfluteten Militärflughafen von Skardu geschafft. Die Unruhe und bewaffnete
Leute beunruhigen uns schon ein wenig und als dann auch noch Fensterscheiben eingeschlagen werden, können wir es nicht mehr erwarten
bis es endlich ans Boarding geht. Nach 40 Minuten erreichen wir Islamabad. Iqubal, unser Kontaktmann von der Trekkingagentur, holt uns
wieder verlässlich ab und bringt uns ins schöne Hotel. Am Abend gibt’s dann ein Bier für sieben Euro und Pizza von Pizzahut, was will man mehr.
Am nächsten Tag geht’s endlich heimwärts, wir können vor Freude fast nicht schlafen …
Am Flughafen eingetroffen, geben wir unser Gepäck auf und machen uns munter auf den Weg zum Checkpoint. Dort angekommen, erklärt
uns ein „freundlicher“ Mitarbeiter des Flughafens, dass unser Visum abgelaufen ist, und das bereits seit zehn Tagen. Seine letzten Worte:
„No flight today!!“, treffen uns wie die knallharte Faust von Mike Tyson mitten in unsere verdutzten Visagen und lassen unseren Humor und
Frohmut wie einen ausgeknockten Gegner zu Boden gehen. Tatsächlich ist unser Visum abgelaufen. Da Max das mit der Botschaft in Wien
erledigt hat und selber nur 30 Tage in Pakistan war, wurde wohl von den Zuständigen vor Ort angenommen, dass wir alle nur 30 Tage in
Pakistan bleiben wollen und so steht in jedem Pass gültig für 30 Tage, was natürlich bei einem 6-wöchigen Aufenthalt eindeutig zu wenig ist. Das
ist die erste Situation auf dem gesamten Trip, für die wir keinen blöden Schmäh auf Lager haben und das soll den ganzen Tag so weitergehen.
Es ist wie eine Verschwörung gegen uns, unsere gute Laune und unsere Freude endlich nach Hause zu kommen. Die freundlichen Herren
im Innenministerium sind dann gar nicht mehr so freundlich und machen uns ihren Standpunkt klar und somit auch unseren.
Es wird uns mitgeteilt, dass eine sofortige Bearbeitung der DIN-A4-Seite unseres Ausreiseantrags, wenn dieser heute noch ausgestellt werden
soll, die Summe von € 1500 kostet, ansonsten könnte die Bearbeitung 4-6 Wochen in Anspruch nehmen …
Gezahlt, gekriegt, neuen Flieger gecheckt und heimgefliegt, würde sich zwar reimen, aber heim sind wir natürlich geflogen –
mit dem erstbesten Flieger, Business Class, Liegesessel, Champagner, Whiskey, Gourmetküche, Bier, Oman, München
und dann endlich „Home, Sweet Home“ …
1...,37,38,39,40,41,42,43,44,45,46 48,49,50,51,52,53,54,55,56,57,...94